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Warum Du Dir (noch) kein Auto kaufen solltest!

 

Das Auto - für manche ist es ein reines Transportmittel, für die allermeisten aber das Statussymbol ihrer Wahl. Für viele Leute gehört das eigene Auto einfach zu einem guten Leben dazu. Für manche steht der Komfort im Vordergrund, andere suchen den Fahrspaß und wieder andere möchten einfach nur den eigenen Reichtum zur Schau stellen.

 

Es gibt unterschiedliche, teilweise durchaus legitime Gründe, warum Einzelpersonen Autos kaufen. Vielleicht, weil die Person auf dem Land lebt, eine Familie gegründet hat oder beispielsweise im Außendienst arbeitet.

 

Wir wachsen jedoch regelrecht damit auf, dass wir erfolgreiche Leute (sehr oft Männer) mit einem dicken Auto in Verbindung bringen. James Bond kommt im Aston Martin, in Musikvideos posieren viele Musiker mit schicken Autos und sogar der Papst rollt im Mercedes Benz durch den Vatikan.

 

Dies erzeugt in uns das Gefühl, dass wir auf jeden Fall ein Auto brauchen, um ein vollständiger, freier und erfolgreicher Mensch zu sein. Kaum bekommen wir das erste Gehalt gehen wir los und suchen uns gute Angebote für Neuwagen, Leasing, Finanzierung, oder für Gebrauchtwagen. Oder noch schlimmer: wir liegen unseren Eltern tagelang in den Ohren, bis uns diese aus ihrem hart erarbeitenden Geld ein Auto kaufen. Zum Bestehen der Fahrprüfung. Wie schön!

 

Ich vertrete die Meinung, dass ein eigenes Auto für viele Menschen ein erster, großer Schritt in Richtung finanzieller Abhängigkeit ist und dass sich die meisten Menschen kein Auto kaufen sollten.

 

Einige Fakten zum Thema

 

Schauen wir uns doch einmal an, wie viele Menschen in Deutschland in Städten wohnen. Statista zufolge sind dies in Deutschland bereits mehr als 75% der Bevölkerung - Tendenz steigend. Es ist anzunehmen, dass diese Menschen auch in Städten arbeiten und demzufolge zumindest für ihren Arbeitsweg kein Auto benötigen.

 

Aber halt! Ein Auto ist doch bestimmt viel komfortabler, um morgens zur Arbeit zu kommen - oder etwa nicht? In der Realität herrscht auf vielen Strassen und Autobahnen morgens und abends ein absolutes Verkehrschaos. Man steht im Stau, verliert Zeit und Nerven und muss jeden Tag auf einen guten Parkplatz hoffen - Stress pur!

 

Natürlich ist auch der öffentliche Nahverkehr nicht perfekt, aber zumindest kann man die Zeit während dem pendeln nutzen um ein Buch zu lesen oder einen guten Podcast zu hören.

 

Zwar möchte ich hier insbesondere die finanzielle Unsinnigkeit vom persönlichen Autobesitz beleuchten, aber selbst in punkto Komfort ist das Auto also nicht unbedingt sinnvoll.

 

Kommen wir nun zu den Finanzen:

  • Gemäß dem Jahresreport der Deutschen Automobil Treuhand gaben die Deutschen 2018 im Durchschnitt 31.130 Euro für Neuwagen und 11.780 Euro für Gebrauchtwagen aus.
  • Für Sprit, Steuern, Reparaturen und die Versicherungen werden je nach Auto und Distanz durchschnittlich zwischen 150 und 220 Euro pro Monat fällig.
  • Darüber hinaus werden wir in der Regel Geld für Parkplätze, die Autoreinigung und mögliche Gesetzesverstöße bezahlen müssen. Auch hier werden pro Monat noch einmal zwischen 20 und 50 Euro anfallen.
  • Im Durchschnitt wird ein PKW weniger als 10% der Zeit wirklich genutzt.

Ein Rechenbeispiel

 

Nehmen wir einmal an, Michael ist 26 Jahre alt und Berufseinsteiger. Er verdient 40.000 Euro brutto pro Jahr und steht nun vor der Entscheidung, ob er ein eigenes Auto kaufen soll oder nicht. Da er noch jung ist, zieht er einen Gebrauchtwagen in Betracht. Im Schnitt würden ihn also einmalige Kosten von ca. 11.000 Euro für die Anschaffung und dann ca. 170 Euro monatlich für laufende Kosten anfallen.

 

Als Alternative hat er die Möglichkeit, sich ein Jahresticket für den Verkehrsverbund seiner Region für 140 Euro pro Monat zu kaufen. Damit kann er nicht nur von seinem Wohnort zu seinem Arbeitsort pendeln, sondern am Wochenende auch Ausflüge in andere Städte der Region machen.

 

Wenn sich Thomas für das Jobticket entscheidet, kann er die 11.000 Euro für den Gebrauchtwagen sparen und anlegen. Wenn wir optimistisch davon ausgehen, dass der Gebrauchtwagen noch 10 Jahre lang übersteht, dann könnte er das Geld zum Vergleich also 10 Jahre anlegen. Wir unterstellen eine Rendite von 6 % p.a. und kommen somit auf 19.700 Euro nach 10 Jahren. Wenn wir nun auch noch die 30 Euro beachten, die Thomas jeden Monat spart, kommen wir auf eine Endsumme von über 24.000 Euro.

 

In unserem Beispiel bedeutet dies, dass Thomas im Falle eines Autokaufs nach 10 Jahren 24.000 Euro weniger auf dem Konto hat, als wenn er sich gegen einen Kauf entscheidet und das Geld anlegt.

 

Zudem muss er in 10 Jahren ja bereits wieder ein neues Auto kaufen und in der Regel wird er sich dann ein besseres und teureres Auto kaufen.

 

Was ist mit der Flexibilität?

 

Für viele Menschen bedeutet das eigene Auto maximale Freiheit. Man kann heute entscheiden, wo man morgen hinfahren will. Aber ist das wirklich ein gutes Argument?

 

Letztlich geht es bei der Frage um Flexibilität. Jeder von uns möchte in seiner Mobilität so frei sein wie möglich. Allerdings bin ich der Meinung, dass man ohne Auto in der Tat noch viel flexibler ist!

 

Der Grund ist einfach: wenn ich wirklich ein Auto brauche - sei es für einen Umzug, einen Urlaub oder für einen Städte-Trip - dann miete ich mir einfach eins. Das ist schnell, einfach, unkompliziert und ich kann immer einen schicken Neuwagen fahren.

 

Daneben bin ich völlig frei, auch andere Verkehrsmittel wie Flugzeug, Bahn und Bus zu nutzen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil zuhause das Auto weitere Kosten verursacht.

 

Wenn ein Auto außerdem finanziert oder geleast wird, dann habe ich einen langfristigen Vertrag am Hals, der mich zusätzlich in meiner Freiheit einschränkt!

 

Ohne Auto kann ich mein Transportmittel bei jeder Reise meinen individuellen Bedürfnissen anpassen. Durch das Internet und neue Mobilitätstrends wird die Auswahl dabei immer größer. Ein Beispiel dafür sind neue Plattformen für carsharing oder Mitfahrgelegenheiten. Das spart also nicht nur Geld, sondern bietet auch eine deutlich höhere Flexibilität als das eigene Auto!

 

Fazit

 

Auch ich wollte mir lange Zeit ein eigenes Auto kaufen. Heute sage ich: zum Glück habe ich es nicht! Für mich überwiegen die finanziellen Nachteile des Autokaufs den wenigen Vorteilen. Es gibt nur wenige Menschen, für die sich ein eigenes Auto aufgrund ihrer Arbeit oder ihrem Wohnsitz auf dem Land wirklich lohnt. Neben den rein finanziellen Aspekten bin ich auch der Meinung, dass man ohne Auto freier und flexibler ist.

 

Ein schönes Auto ist ein teures Lifestyle-Produkt, ein Statussymbol. Wer den entsprechenden Status erreicht hat, kann sich natürlich gerne ein Auto kaufen und es zur Schau stellen. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden! Sich jedoch finanziell ein Bein auszureißen und sich so auf lange Sich ärmer zu machen, ist eine ganz schlechte Idee!

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