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Von Bullen, Bären und Goldkäfern - eine Einführung in den Börsenslang!

In sozialen Gruppen und Szenen findet man immer wieder das Phänomen, dass sich ein eigener, interner Sprachgebrauch etabliert hat. Auch die Börsenszene ist hier keine Ausnahme. Das trägt zwar zum Verständnis einer gemeinsamen Kultur bei, grenzt aber auch Neulinge schnell als Outsider aus. Damit du beim Börsentalk so schnell wie möglich mitreden kannst, habe ich dir hier die wichtigsten (und kreativsten) Begriffe erklärt!

 

Alpha

 

Unter dem Alpha versteht man die abweichende Wertentwicklung eines Fonds gegenüber einem korrekt gewählten Vergleichsindex (auch Benchmark genannt). Das Alpha zeigt also das Ausmaß auf, in dem sich ein Fonds besser oder schlechter entwickelt hat als der Vergleichsindex. Wenn ein Fondsmanager beispielsweise damit prahlt, im vergangenen Jahr ein Alpha von 3% erreicht zu haben, dann meint er damit, dass die Rendite seines Fonds 3% über der Rendite des Vergleichsindexes lag!

 

Bullish / Bearish

 

Jeder kennt sie: der Bulle und der Bär, die symbolträchtigen Tiere der Börse! Ein bullisher Markt ist ein Markt mit anhaltend steigenden Kursen. Der Bulle stößt mit seinen Hörnern von unten nach oben - was steigende Kurse symbolisiert. Ein Synonym dafür ist übrigens die Hausse. 

 

Wenn ein Markt bearish ist sinken die Kurse, genau so wie ein Bär mit seiner Tatze von oben nach unten schlägt! Dasselbe wird auch als Baisse bezeichnet.

 

Bullish und bearish beschreiben auch die allgemeine positive oder negative Gefühlslage an der Börse.

 

Beta

 

Das Beta ist eine Kennzahl, welche die relative Schwankungsbreite (Volatilität ) eines Wertpapieres im Verhältnis zum Gesamtmarkt widerspiegelt. Das Beta ist somit eine wichtige Kennzahl zur Bestimmung des objektiven Risikos eines Wertpapiers.

 

Blue Chip

 

Blaue Pokerchips hatten in den USA früher stets den höchsten Wert im Kasino. Daher steht die Bezeichnung Blue Chip für umsatzstarke Aktien von Großunternehmen. Der Begriff ist nicht exakt definiert, aber man versteht darunter gemeinhin die Aktien von Unternehmen mit einer sehr hohen Marktkapitalisierung in einem wichtigen Index wie dem S&P 500, DAX, FTSE, Nikkei etc. Im Deutschen wird auch oft der Begriff Standardwert verwendet. 

 

Call / Put

 

Als Call bezeichnet man in der Börsenwelt eine Kaufoption, d.h. das Recht, eine vordefinierte Anzahl eines Wertpapieres zu einem vordefinierten Preis zu kaufen. Merke: es handelt sich um ein Recht und nicht um eine Pflicht! Stet dem Investor dieses Recht während der gesamten Laufzeit zu, spricht man von einer amerikanischen Option. Bei einer europäischen Option hat er dieses Recht lediglich am Ende der Laufzeit. Das Gegenteil einer Call Option nennt man Put Option.

 

Crash / Rallye

 

Davor graut vielen Anlegern: der Börsencrash! Darunter versteht man einen extremen Einbruch der Börsenkurse durch ein abruptes, angstgetriebenes Überangebot. Es lässt sich nicht genau festlegen, ab welchem Ausmaß Kursrückgänge abgrenzend zu einer Baisse als Crash zu definieren sind. Meistens lässt sich ein Börsencrash aber auf einschneidende politische Veränderungen oder dem Platzen einer Spekulationsblase zurückführen.

 

Das Gegenteil eines Börsencrashs ist die Rallye, wenn die Kurse - genau wie Formel 1 Rennwagen - abgehen und übermäßig stark ansteigen.

 

Fair Value,  Intrinsic Value

 

Der Preis eines Wertpapiers ergibt sich durch Angebot und Nachfrage. Der Fair Value (auch intrinsic value, intrinsischer Wert genannt) eines Wertpapiers definiert, wie viel ein Wertpapier wirklich wert ist. Er lässt sich durch die Diskontierung der zukünftig erwarteten Cash Flows eines Unternehmens bestimmen. Der Fair Value ist eines der grundlegenden Konzepte des Value Investing, das stark von Benjamin Graham und Warren Buffet geprägt wurde. Value Investoren sind auf der Suche das Wertpapieren, deren fair value größer ist als der Preis, den sie dafür an der Börse bezahlen müssen. 

 

Free Float

 

Der Free Float (Streubesitz) definiert die Menge an Aktien, die an den Börsen gehandelt werden und somit nicht in festem Besitz einer Person oder eines Unternehmens sind.

Die Aktionärsstruktur einer Aktiengesellschaft ist einerseits wichtig, um die Stimmrechtsverhältnisse abschätzen zu können, aber auch um die Liquidität / das Handelsvolumen des jeweiligen Wertpapiers beurteilen zu können.

 

Go Long / Go Short

 

Wenn ein Börsianer "long geht", dann glaubt er an einen steigenden Kurs eines Wertpapiers, eines Rohstoffs oder einer Währung. Eine solche long position kann einerseits durch das direkte Investieren in die jeweilige Assetklasse oder über Optionen geschehen. Im Falle der Option würde der Anleger dann eine Call Option erwerben.

 

Das Gegenstück zu der long position ist die short position. Wenn man davon ausgeht, dass ein Wertpapier, ein Rohstoff oder eine Währung im Kurs fallen wird, dann shortet man diese Position.

 

Gold Bugs

 

In keinem Wort zeigt sich die Kreativität und Schönheit der Börsensprache so sehr wie in diesem. Gold Bugs - goldene Käfer - bezeichnen allerdings keine seltenen Insekten, sondern Personen, die konsistent an einen steigenden Goldpreis glauben, oder sich in unruhigen Zeiten mit Gold absichern wollen. Diese Idee stammt noch aus Zeiten des Goldstandards, als die internationalen Währungen noch durch Gold gedeckt waren.

Manchmal werden auch Analysten, die ständig den Goldkauf empfehlen, als Gold Bugs bezeichnet.

 

High Yields

 

High Yields betiteln Anleihen mit einer hohen Verzinsung und damit einer hohen Rendite (engl.: yield). Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, denn high yield bonds werden im Englischen auch als junk bonds (Schrottanleihen) bezeichet. Das kommt daher, weil high yields ein schlechteres Credit Rating haben, deren Emittenten also keine gute Kreditwürdigkeit aufweisen. Rendite kommt nun mal von Risiko!

  

Small Cap

 

Als small cap bezeichnet man die Aktien von Unternehmen mit einer relativ kleinen Marktkapitalisierung. Genau wie bei den Blue Chips kann man auch hier keine definitive quantitative Aussage über die Marktkapitalisierung machen. Auf Deutsch heißen small cap Aktien auch Nebenwerte, weil sie normalerweise nur in den zweit- oder drittwichtigsten Indizes zu finden sind (z.B. im MDAX und SDAX).

 

Stock Picking

 

Als stock picking beschreibt man das gezielte Kaufen einzelner Aktien auf der Grundlage einer durchgeführten Analyse. Es beschreibt also die Annahme eines Anlegers, gezielt Aktien ausfindig machen zu können, die ein gutes Investment darstellen. Stock picking ist deshalb eng verbunden mit dem Ansatz eines aktiven Investors.

 

Spread

 

Naturgemäß liegt der Verkaufspreis eines Wertpapiers (Briefkurs) in der Regel immer leicht über dem Kaufpreis (Geldkurs). Der Spread ist der Unterschied zwischen dem Verkaufspreis und dem Kaufpreis. Der Spread bedeutet für Anleger nichts anderes als zusätzliche, versteckte "Kosten" und sollte daher nicht vernachlässigt werden. 

 

Window Dressing

 

Viele Investoren verlassen sich bei der Analyse eines Wertpapiers auf den Geschäftsbericht eines Unternehmens und damit auch auf die Bilanz. Allerdings sollten die Angaben in einer Bilanz stets hinterfragt werden, denn window dressing beschreibt die Tätigkeit der Bilanzverschönerung. Das umfasst sämtliche (legale) Aktivitäten, um die Bilanz besser darzustellen - beispielsweise die zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen oder die Auflösung von stillen Reserven.

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