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3 Heuristiken die dich in deiner Geldanlage beeinflussen!

Bei der Geldanlage versuchen wir stets, möglichst rationale Entscheidungen zu treffen. Mit Rationalität wird ein vernunftgeleitetes und an Zwecken ausgerichtetes Denken und Handeln bezeichnet. Der Zweck bei der Geldanlage ist klar: wir möchten die bestmögliche Rendite mit dem investierten Kapital erreichen.

 

Rationales Investieren bedeutet also, aufgrund einer gegebenen Datenlage durch objektive Parameter diejenige Alternative zu wählen, welche mit der größten Wahrscheinlichkeit die beste Rendite erwirtschaftet.

 

Durch das Internet mangelt es uns nie an Informationen. Mit wenigen Klicks können wir beispielsweise zu einer Aktie oder einem ETF seitenweise Informationen finden. Dennoch treffen sehr viele Privatanleger häufig irrationale Entscheidungen und keiner von uns ist davor gefeit, uns durch einige menschliche Mängel zu irrationalem Denken und Handeln bewegen zu lassen. In der Kognitionspsychologie und auch in der Verhaltensökonomie hat sich ein Begriff für einige der Denkmuster herausgebildet, welche uns zu unlogischen Entscheidungen führen: Heuristiken.

 

Diese Heuristiken können wir nur dann verhindern - oder zumindest teilweise abstellen - in dem wir genau lernen, welche Verzerrungen es gibt und wie sie uns täglich beeinflussen. Heute möchte ich dir also drei Heuristiken aufzeigen, die dich in deiner Geldanlage beeinflussen.

  

1. Framing-Effekt

 

Das Wort framing kommt vom englischen Wort frame, was Rahmen bedeutet. Wo würde die Zeichnung eines 10 jährigen Kleinkindes wohl mehr Anerkennung erfahren: angepinnt am Kühlschrank seiner Mutter oder ausgestellt in einem Museum für moderne Kunst? Die Antwort ist natürlich letzteres, aber warum? Das Bild an sich ist qualitativ in beiden Situationen unverändert aber die Rahmenbedingungen, unter denen es präsentiert wird, ist unterschiedlich.

 

Dieses kleine Beispiel beschreibt ziemlich gut, was framing genau ist. Wikipedia definiert framing folgendermaßen:

 

"Framing bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen."

 

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Framing-Effekt)

 

Lass mich dir das an einem anschaulichen Beispiel aufzeigen. Stell dir vor, du erledigst deinen Wocheneinkauf in deinem örtlichen Supermarkt. Du planst einen leckeren Grillabend mit Freunden und bist für das Fleisch zuständig. An der Fleischtheke fällt dein Blick auf zwei leckere Steaks von unterschiedlichen Herstellern. Auf dem einen steht: "75% Magerfleisch" und das andere wird mit den Worten "25% Fettanteil" beworben. Welches würdest du als gesundheitsbedachter Mensch eher kaufen? Vermutlich eher das erste, obwohl beide Produkte ein Fettgehalt von 25% haben! Allerdings wurde das erste Produkt aus Sicht des Produzenten besser "geframet".

 

Framing wird aber nicht nur in der Werbung eingesetzt, sondern in jeglichen Bereichen des Lebens und betrifft es uns auch in der Geldanlage. Nehmen wir einmal an, du überlegst, ob du die Aktie eines Unternehmens XYZ kaufen möchtest oder nicht. Du beziehst Informationen aus unterschiedlichen Quellen und konsultierst zwei Freunde.

 

Der erste Freund ist long in der Aktie und sagt:

 

"Die Aktie von Unternehmen XYZ wird in Zukunft mit einer Chance von 80% steigen!"

 

Der zweite Freund ist nicht in der Aktie investiert und sagt:

 

"Die Aktie von Unternehmen XYZ wird in Zukunft mit einer Chance von 20% sinken!"

 

Erstere Aussage bezeichnet man als positiven Frame, Letztere dementsprechend als negativen Frame. Beide Aussagen enthalten exakt dieselben mathematischen Informationen: 80% Chance auf Profit, 20% Risiko auf Verlust. Jedoch wird bei den beiden Aussagen jeweils ein anderer Aspekt dieser Tatsache beleuchtet.

 

Selbst wenn also alle Quellen, anhand deren wir uns über Investments informieren inhaltlich korrekt wären - so könnten wir durch den Framing-Effekt dennoch in die eine oder andere Richtung beeinflusst werden!

 

2. Anker-Effekt

 

Der Anker-Effekt beschreibt ein Festhalten an einer scheinbar nützlichen Information, selbst wenn diese Information für eine logische Entscheidung eigentlich irrelevant ist.

 

Ein einfaches Beispiel: du gehst in ein Bekleidungsgeschäft, um dir eine neue Jeans zu kaufen. Du findest eine, die dir gefällt - bis du auf das Preisschild schaust: 499,- Euro! Definitiv zu teuer! Doch dann bemerkst du den rot durchgestrichenen Preis: 799,- Euro - die Jeans ist also deutlich reduziert, eigentlich ein Schnäppchen! Die zusätzliche Information, dass die Jeans ursprünglich 799 Euro gekostet hat, beeinflusst dich schlussendlich zum Kauf

 

Wikipedia formuliert es so:

 

"Der Anker-Effekt besagt, dass Menschen bei bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Umgebungsinformationen beeinflusst werden, ohne dass ihnen dieser Einfluss bewusst wird. Die Umgebungsinformationen haben Einfluss selbst dann, wenn sie für die Entscheidung eigentlich irrelevant sind. Es handelt sich also um einen Effekt, bei dem sich das Urteil an einem willkürlichen Anker orientiert."

 

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ankereffekt)

 

Der Anker-Effekt ist auch für uns Privatanleger äußerst relevant. Betrachte dazu diese beiden Charts:


Die zwei Graphen zeigen den Kursverlauf einer Aktie über einen Monat. Welcher Chartverlauf wirkt auf dich besser und attraktiver? Wo würdest du basierend auf deiner ersten Intuition eher investieren? Vermutlich bei der ersten Aktie, da der Kurs im letzten Monat ziemlich stetig gewachsen ist und scheinbar einen positiven Trend aufweist.

 

Genau hier liegt allerdings ein Anker-Effekt vor, denn der Chart zeigt nichts anderes als die Preise der Vergangenheit auf. Der Kursverlauf und der aktuelle Preis sind also quasi der Anker, an dem wir uns orientieren. Als Anleger investieren wir allerdings in die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens und dessen Aktienkurses - die Vergangenheit - ist irrelevant! Genau deshalb sollte man zuerst ein Unternehmen analysieren und einen fairen Wert ermitteln und erst dann abgleichen, ob dieser Wert über oder unter dem aktuellen Preis der Aktie liegt.

 

Übrigens kommen beide Charts von der gleichen Aktie: Amazon! Und in beiden Situationen hätte sich ein Investment bis dato gelohnt!

 

3. Halo-Effekt

 

Der Halo-Effekt ist eine weitere, sehr interessante Heuristik, die ursprünglich aus der Sozialpsychologie stammt, aber auch im Investmentbereich auf uns wirken kann. Unter dem Halo-Effekt versteht man das Problem, dass Menschen dazu neigen, von bekannten Eigenschaften einer Person oder einer Sache auf unbekannte Eigenschaften zu schließen.

 

Ein einfaches Beispiel: Ein Taxifahrer holt dich vom Flughafen ab. Der Taxifahrer ist nicht nur zu spät, sondern legt auch keinen großen Wert auf Körperpflege und zu allem Überdruss ist er auch noch sehr unhöflich zu dir! Durch diese negativen Eindrücke hast du automatisch ein generell schlechtes Bild von diesem Taxifahrer, und du wirst auch an seinen Fahrkünsten oder seiner Ehrlichkeit bei der Abrechnung zweifeln - selbst wenn diese Eigenschaften an sich nichts miteinander zu tun haben.

 

Man unterscheidet beim Halo-Effekt ebenfalls einen negativen und einen positiven Effekt. Letzteres liegt beispielsweise vor, wenn wir eine Person besonders attraktiv finden und ihr dadurch auch eine interessante oder talentierte Persönlichkeit zuschreiben.

 

Auch in der Geldanlage ist der Halo-Effekt präsent. Nehmen wir einmal an, dass du die Aktie eines Unternehmens analysieren willst. Zu diesem Zweck gehst du auf die Website des Unternehmens, um dich zu informieren und den Geschäftsbericht herunterzuladen. Wie würdest du reagieren, wenn die Internetpräsenz des Unternehmens an die frühen 2000er erinnert und fürchterlich designt ist? Möglicherweise hast du dadurch bereits einen negativen Eindruck des gesamten Unternehmens, der deine gesamte Recherche und Analyse beeinflussen wird, obwohl die Internetseite nichts mit der Qualität der Aktie als Investment zu tun hat. Auch hier greift also der Halo-Effekt!

 

Fazit

 

Neben den hier vorgestellten Heuristiken kennt die Verhaltensökonomik noch viele weitere Verzerrungen, die uns bei unseren finanziellen Entscheidungen beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass man sich der Tatsache bewusst wird, dass der Mensch per se keine rational denkende Maschine ist, sondern oftmals fehlerhaften Denkmustern zum Opfer fällt.

 

Der erste Schritt, um logischer denken zu können, muss sein, diese Heuristiken zu kennen und im Alltag zu beobachten, wann sie bei einem selbst auftreten. In einem zweiten Schritt kann man dann Methoden entwickeln, um das Auftreten dieser Heuristiken zu verhindern, oder zumindest abzuschwächen!

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