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Investments in Mitarbeiteraktien!

Stell dir einmal vor, jemand macht dir folgendes Angebot: Du bekommst einen 100 € Schein, musst dafür jedoch nur 75 € bezahlen. Einzige Bedingung: Du musst den 100 € Schein drei Jahre behalten, bevor du ihn ausgeben darfst. Klingt eigentlich nach einem tollen Deal, oder? Bei Mitarbeiteraktien (auch Belegschaftsaktien genannt) verhält es sich eigentlich ganz ähnlich - aber beginnen wir erst einmal ganz am Anfang.

 

Was sind Mitarbeiteraktien?

 

Mitarbeiteraktien sind Aktien, die ein Unternehmen an ihre Mitarbeiter ausgibt. Dies kann ein Unternehmen beispielsweise aus dem Bestand eigener, zurückgekaufter Aktien tun, oder im Rahmen einer bedingten, oder genehmigten Kapitalerhöhung.

 

Es gibt drei wichtige Parameter, die ein Mitarbeiteraktien-Programm definieren:

  • Dauer der Sperrfrist
  • Abschlag bzw. Zulage
  • Methode zur Ermittlung des Kaufpreises

Die Sperrfrist definiert einen Zeitraum, in dem die Mitarbeiteraktien nicht veräußert werden können und i.d.R. auf einem separaten Depot aufbewahrt werden. Normalerweise beträgt die Sperrfrist für Mitarbeiteraktien in Deutschland zwischen einem und drei Jahren.

 

Der Abschlag, mit dem eine Mitarbeiteraktie erworben werden kann, definiert sich aus der Zulage, welche der Arbeitgeber dem Aktienkauf beisteuert. Beispielsweise könnte ein Mitarbeiter 100 Euro in Mitarbeiteraktien investieren wollen. Der Arbeitgeber würde 25 % - in unserem Beispiel also 25 Euro - hinzugeben. Dies entspricht dann einem Aktienkauf mit einem Abschlag von 20 % (25 / 125). Teilweise wird dieser Abschlag auch direkt vom Arbeitgeber ausbezahlt.

 

Die Methode zur Ermittlung des Kaufpreises der Aktien ist ein weiterer wichtiger Parameter. Zum Beispiel könnte ein Unternehmen den günstigsten Preis der Aktie in einem definierten Zeitraum, beispielsweise einer Handelswoche als Referenzpreis nehmen. Eine andere Option wäre hingegen, den durchschnittlichen Schlusskurs einer Aktie in einem bestimmten Zeitraum als Referenzpreis zu nehmen.

 

Warum geben Unternehmen Mitarbeiteraktien aus?

 

Unternehmen geben Mitarbeiteraktien hauptsächlich aus psychologischen Gründen aus. Das Management erhofft sich, dass die Mitarbeiter als Miteigentümer des Unternehmens gewinnbringender und effizienter agieren. Als Mitarbeiter erhält man in der Regel ein gewinnunabhängiges Gehalt, als Aktionär hingegen wird man sowohl am Erfolg, als auch am Misserfolg des Unternehmens beteiligt.

 

Der zweite Grund ist, dass das Management versucht, ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl bei den Mitarbeitern zu schaffen und diese auch geistig noch mehr in das Unternehmen zu integrieren.

 

Nachteile von Mitarbeiteraktien

 

Betrachten wir zuerst die Argumente, die gegen ein Investment in Aktien des eigenen Arbeitgebers sprechen.

 

Zunächst ist hier kurz eine steuerliche Besonderheit zu erwähnen, die nicht außer acht gelassen werden darf. Die gewährte Zulage des Arbeitgebers gilt nämlich als sogenannter "geldwerter Vorteil". Gemäß § 3 Nr. 39 EStG beträgt der steuerliche Freibetrag für diese Zuschläge zurzeit 360 Euro pro Kalenderjahr. Alles darüber hinaus ist steuer- und sozialabgabenpflichtig!

 

Ein oft erwähnter Nachteil von Mitarbeiteraktien liegt in einem gewissen Cluster-Risiko. Wenn ein Angestellter beispielsweise einen Großteil seiner finanziellen Investments in den Aktien seines Arbeitgebers getätigt hat, und das Unternehmen dann in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, dann wäre dieser Angestellte direkt zwei Risiken ausgesetzt. Einerseits könnte er nämlich seinen Job verlieren, bzw. sein Gehalt könnte stagnieren (Arbeitnehmer-Risiko), und zusätzlich wären auch seine Aktien gefährdet (Investoren-Risiko). Aus diesem Grund sollten Mitarbeiteraktien meines Erachtens auch nur einen kleinen Teil des Gesamtportfolios darstellen.

 

Je nachdem wie ein Mitarbeiteraktien-Programm im Detail ausgestaltet wird, können sich zuletzt natürlich individuelle Nachteile ergeben. Zum Beispiel wäre eine Zulage von lediglich 5 % womöglich zu riskant. Auch bei Mitarbeiteraktien gilt selbstverständlich, dass man sich vor einer Investition mit der Aktie des Unternehmens beschäftigen muss! Auch ein toller Arbeitgeber mit einer glänzenden Zukunft kann eine maßlos überteuerte Aktie haben.

Vorteile von Mitarbeiteraktien

 

Wenn man sich die Zahl der Direktaktionäre in Deutschland anschaut, dann sehen wir, dass die Belegschaftsaktionäre einen Anteil von rund 25 % haben. Wenn wir den Fakt berücksichtigen, dass nicht alle Angestellten in Deutschland die Möglichkeit haben, Mitarbeiteraktien zu kaufen, dann erachte ich diesen Anteil doch als beachtenswert.

 

Meiner subjektiven Meinung nach scheinen Mitarbeiteraktien von den Deutschen insgesamt besser akzeptiert als Aktien insgesamt.

 

In der Tat hat ein Investment in Mitarbeiteraktien einige Vorteile, und zwar sowohl qualitativer als auch quantitativer Natur.


Der größte Vorteil liegt natürlich im vergünstigten Erwerb der Aktien. Ein Angestellter sollte sich die Frage stellen, ob er oder sie davon ausgeht, dass der Abschlag groß genug ist, um eine (fiktive) Unterbewertung der Aktie inklusive entsprechend hoher Safety Margin zu erzeugen. Doch selbst, wenn sich der Kurs während der Sperrfrist nur seitwärts entwickelt, so profitiert man doch immer noch von den Dividenden zuzüglich des Abschlags verteilt auf die Sperrfrist. Wer also von den Zukunftsaussichten seines Arbeitgebers überzeugt ist, kann mit dem Erwerb von Mitarbeiteraktien eine schöne Rendite erzielen. Bei vielen Mitarbeiteraktien-Programmen sind die Orderbedingungen und Gebühren übrigens sehr günstig, was ein weiterer Vorteil darstellt. Als dritten quantitativen Vorteil erachte ich die Methodik zur Ermittlung des Kaufpreises. Wenn ein Unternehmen beispielsweise den günstigsten Kurs einer Zeitperiode als Referenzkurs nimmt, so ist das für den Aktionär doch eine tolle Sache!

 

Die qualitativen Vorteile stimmen letztlich mit den Beweggründen des Managements überein. Als Aktionär und Miteigentümer befasst man sich noch einmal auf eine andere Art und Weise mit "seinem" Unternehmen. Dieses zusätzliche Wissen schafft eine gewisse Identifikation und Zufriedenheit, nicht zuletzt aber auch Know How, welches dazu führen kann, dass man seine eigene Karriere im Unternehmen weiter vorantreiben kann.

 

Fazit

 

Ich persönlich halte Mitarbeiteraktien-Programme aufgrund der beschriebenen quantitativen und qualitativen Vorteile grundsätzlich für eine gute Gelegenheit. Auch ich habe deshalb im Oktober 2018 meine ersten Mitarbeiteraktien (in der Tat sogar meine ersten Einzelaktien) gekauft. Als Arbeitnehmer sollte man sich vor einer Investition aber mit den individuellen Bedingungen des Programms und der Aktie an sich beschäftigen und genau abwägen, ob sich eine Investition mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit lohnen wird oder nicht.

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Kommentare: 4
  • #1

    Pete (Donnerstag, 18 April 2019 09:24)

    Hallo Gabriel,

    ich arbeite auch in einem Konzern (Roche) und nutze dort aktiv die Möglichkeit, vergünstigt an Aktien zu gelangen (Roche-Connect). Von meinem Brutto-Einkommen kann ich maximal 10% dieser MA-Aktien (Roche Genussscheine ohne Stimmwahlrecht auf der HV) erwerben. Mein Arbeitgeber packt 25% oben drauf (Kaufanreiz). Diesen geldwerten Vorteil muss ich natürlich versteuern. Nichs desto trotz ist die Margin attraktiv. Insbesondere bei einem dividendenstarken Blue-Chip.
    Der Kauf der Genussscheine (Aktien) erfolgt immer zum 18. eines Monats. Die Dividenden werden wieder reinvestiert. Ich habe keine (offensichtlichen) Depot-Verwaltungs- und Transaktionskosten (beim Kauf / Sparplan).
    Die Anteile sind nach dem Kauf für 4 Jahre "gesperrt", erst danach ist ein Verkauf möglich, wenn ich nicht die Firma verlasse oder verlassen muss.

    Ausserdem ist eine Komponente meiner leistungsabhängigen Vergütung eine Aktienpaket in Genussscheinen (aufgeteilt in Aktienoption und Genussscheine). Über die Zeit kommt da ganz schön was zusammen... Und hier setzt meine Frage an: Klumpenrisiko. Gerade wenn ich an Deutsche Bluechips wie VW oder Bayer denke.

    Mein Plan ist es, nach der Sperrfrist peu a peu die Genusscheine zu veräussern und den Erlös in unser global diversifiziertes ETF-Portfolio umzuschichten.

    Nun zu meiner Frage an Dich: rein auf die Assetklasse Aktien bezogen, wieviel Prozent würdest Du maximal in einer solchen Einzelposition halten? Ich danke Dir für Deine Einschätzung und Rückmeldung.

    Viele Grüsse - Pete

  • #2

    monetree (Mittwoch, 24 April 2019 09:48)

    Hallo Pete,

    danke für deinen Kommentar und sorry für die späte Antwort - ich hoffe Du hattest schöne Osterferien!

    Die Asset Allocation hängt ja ganz grundsätzlich von vielen Faktoren ab: dem Alter, dem Anlagehorizont, der Risikoneigung, den Einkommens- und Vermögensverhältnissen, den Anlagezielen usw.

    Dementsprechend ist es bereits schwer, eine pauschale Antwort zu geben, wieviel Prozent maximal in einer Asset Klasse, geschweige denn in einer Einzelposition gehalten werden sollten. Ich kann, darf und will hier auch keine Anlageempfehlung machen, allerdings möchte ich gerne ein paar meiner Gedanken zu deiner Frage mit Dir teilen.

    Möglicherweise hast Du meinen Artikel zur Core-Satellite-Strategie gelesen. Für mich sind Investments in Mitarbeiteraktien natürlich Satellite-Investments, welche je nach Situation des Anlegers insgesamt ca. 5 - 30 % des Portfolios ausmachen können. Wenn du neben deinem global diversifizierten ETF Portfolio allerdings ausschließlich Mitarbeiter-Aktien als Einzelinvestitionen hast, dann könnten maximal 5 % des Gesamtportfolios ein Richtwert sein, über den ich nachdenken würde. Meiner persönlichen Meinung nach wäre es dann noch besser, auch die Satellite-Investments weiter zu diversifizieren, beispielsweise auch mit Werten, die nicht sowieso schon im globalen ETF Portfolio enthalten sind.

    Das Klumpenrisiko hast du mit Mitarbeiter-Aktien sowieso und jeder muss für sich entscheiden, ob der angebotene Abschlag des Arbeitgebers ausreicht, um dieses Risiko adäquat auszugleichen.

    Vielleicht mache ich zu diesem Thema auch mal einen ausführlichen Blog Post oder eine Podcast Folge!

    Liebe Grüße

    Gabriel

  • #3

    Nadine (Donnerstag, 30 Mai 2019 20:58)

    Ich hätte auch gerne eine persönliche Einschätzung von dir. Ich arbeite in einem kleinunternehmen in der Kundenbetreuung.
    Nun habe ich das Angebot von einem Kunden bekommen, bei Ihm in der GmbH zu arbeiten. Er selbst führt das Unternehmen ganz alleine und hat ein gesamtumsatz von über 1.Mio.euro. Jedenfalls sagen das seine Bücher. Er möchte mich abwerben und bietet mir neben einem festen Gehalt auch Provision an. Auf diese Provision kann ich im Grunde verzichten und bekomme dafür 10 Prozent seiner FirmenAnteilen. Nach seinen Worten möchte er in den Ruhestand gehen und sucht einen Nachfolger der das Unternehmen weiter führt. Er bietet mir die Möglichkeit auf insgesamt 5 Jahre bis zu 40 Prozent seiner Anteile an. Diese kann ich ganz durch die Provision erkaufen. Das soll auch alles über einen Notar laufen. Jetzt bin ich doch ziemlich skeptisch und frage mich wo da der Hacken ist? Kannst du mir was dazu sagen? Soll ich das Angebot annehmen? Deine Einschätzung würde mir da sehr weiterhelfen. Ich muss an der Stelle auch sagen, dass ich noch nicht bei ihm arbeite und trotzdem habe ich ein solches Angebot bekommen. Was würde denn im schlimmsten Fall passieren? Würde mich über Antwort freuen. Gruß Nadine aus Darmstadt

  • #4

    monetree (Freitag, 31 Mai 2019 15:38)

    Hallo Nadine,

    erst einmal danke für deinen Kommentar und Glückwunsch, dass dir ein solches Angebot gemacht wurde.

    Leider kann ich dir hier aber keine konkrete Auskunft geben, da ich mich mit der Nachfolgeregelung von privaten Anteilen nicht auskenne. An deiner Stelle würde ich deine Bedenken mit einem Anwalt und Steuerberater besprechen. Ob du das Unternehmen letztlich übernehmen willst hängt neben der jetzigen Profitabilität insbesondere auch von den Zukunftsaussichten des Geschäfts ab!

    Liebe Grüße

    Gabriel