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Warum ich mich auf den CRASH freue!

Karikatur: Theodore Roosevelt attackiert die Wall Street im Zuge der Panik von 1907, erschienen im Puck Magazine, 8. Mai 1907
Karikatur: Theodore Roosevelt attackiert die Wall Street im Zuge der Panik von 1907, erschienen im Puck Magazine, 8. Mai 1907

Gerade ist in den Medien einiges über den längsten Bullenmarkt aller Zeiten (von 2008 bis dato) zu lesen. Ob diese Aussage so überhaupt stimmt haben bereits die Kollegen von Godmode Trader analysiert (zum Artikel). Im gleichen Atemzug werfen viele Journalisten die Frage in den Raum, ob jetzt der nächste Bärenmarkt ansteht und bereits seit Monaten liest man wieder häufiger Aussagen wie die folgenden:

Diese Liste könnte ich hier noch beliebig weiter ausführen, jedoch ist wohl den allermeisten Anlegern und Börseninteressierten aufgefallen: die Stimmung ist angespannt, es riecht nach einer Baisse oder sogar nach einem Crash!

 

Baisse vs. Crash 

 

Lass uns noch einmal kurz wiederholen, was denn ein Börsencrash genau von einer Baisse abgrenzt. Auch wenn es für einen Börsencrash keine eindeutige Definition gibt, so versteht man darunter gemeinhin einen abrupten, extrem starken Rückgang der Börsenkurse durch ein massives, oft durch panische Ängste erzeugtes Überangebot von Aktien oder anderen Werten. Eine Baisse hingegen beschreibt einen Markt mit langfristig langsam rückläufigen Kursen in einer generell negativen Stimmung.

 

Gemäß einer Auflistung von Wikipedia gab es in der Geschichte der Börse seit 1637 bereits 15 global relevante Börsencrashs, wobei sich 9 davon nach 1900 ereigneten. Wenn wir die Zeit seit 1900 zugrunde legen können wir durchschnittlich also ca. alle 10-20 Jahre mit einem Börsencrash rechnen. Das bedeutet, dass sich jeder Anleger Gedanken dazu machen sollte, wie er oder sie mit dieser Tatsache umgeht.

 

Die allermeisten Anleger fürchten sich vor einem Börsencrash und die Medien verstärken diese Angst durch ihre panische Berichterstattung. Ich möchte dir hingegen meine Gründe nennen, warum ich mich auf den Börsencrash freue!

 

Warum ich mich auf den Crash freue!

 

Im Grunde gibt es drei Gründe, warum ich mich auf den nächsten Börsencrash freue. Ich möchte jedoch ausdrücklich betonen, dass ich hier innerlich stark unterscheide zwischen der Bedeutung eines Crashs für meine persönliche Geldanlage auf der einen Seite, und dessen Bedeutung für die Gesellschaft, die Wirtschaft und natürlich auch für die Arbeitnehmer von betroffenen Unternehmen. Börsencrashs gehen einher mit politischen Verwerfungen, Krisen, Rezessionen und ähnlichem. Natürlich wünsche ich dies keinem Menschen auf der Welt. Fakt ist jedoch, dass sich unsere Wirtschaft in Zyklen entwickelt und auf einen Boom irgendwann auch eine Rezession folgen wird.

 

Im Folgenden also meine drei Gründe, weshalb ich mich auf den nächsten Börsencrash freue!

 

1. Rabatte an den Börsen

 

Im Falle eines Börsencrashs zeigt sich sehr deutlich auf, wer erstens ein wahrer buy and hold Anleger ist und zweitens über genügend Finanzwissen verfügt, um inmitten von Panik und Schwarzmaler eben nicht der Horde zu folgen und zu verkaufen. In der Tat ist ein Börsencrash für einen echten Langzeitinvestor nichts anderes als ein Ausverkauf von Wertpapieren zu günstigen Preisen. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Börse als Ganzes bislang nach einem Börsencrash immer wieder erholt hat und schon bald neue Höchststände erreicht wurden! Im Falle von zurückgehenden Kursen oder einem Crash erhalte ich mehr Aktien bzw. ETF Stücke für mein Geld und da ich ausgehe, dass diese in 40 Jahren mehr wert sein werden als heute, freue ich mich über diese Tatsache!

 

Dazu passend möchte ich eine Passage aus Dr. Gerd Kommers Blog zitieren:

 

"Für junge Anleger oder – etwas präziser formuliert – jeden Anleger, der bis zu diesem Punkt weniger als die Hälfte seines lebenslangen Sparvolumens investiert hat, ist ein Crash ein Geschenk des Himmels, weil dieser Anleger nach dem Crash für viele Jahre viel billiger und damit wohl ertragreicher investieren kann als vor dem Crash. Der amerikanische Finanzökonom und Buchautor William Bernstein formulierte das so: “Wenn Sie ein Mittzwanziger zu Beginn Ihrer Sparphase sind, dann fallen Sie auf die Knie und beten Sie für den nächsten Crash.”

 

(Quelle: https://www.gerd-kommer-invest.de/ueberbewertung-des-aktienmarkts/)

 

Selbstverständlich haben Anleger fortgeschrittenen Alters eine andere Ausgangssituation, da ihr Anlagehorizont nicht mehr so lange ist. Als Investor muss man deshalb darauf achten, die eigene Asset Allokation immer auf die persönliche Risikosituation auszurichten und im Alter dementsprechend in weniger volatile Werte zu wechseln!

 

2. Chancen für Einzelinvestments

 

Die Chance, überragende Investments in einzelne Aktien durch aktives stock picking zu finden, ist sehr gering! Meiner Meinung nach ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, jedoch nie so gut, wie mitten eines gewaltigen Börsencrashs. Wenn die gesamte Börse nach unten rasselt und sowohl institutionelle Anleger wie auch Fonds und Privatanleger überreagieren, so wird es eher die Möglichkeit geben, stark unterbewertete Aktien zu finden. In diesen sehr seltenen Momenten ist die Börse flächendeckend irrational. Dieser Meinung ist auch Warren Buffet, der einige seiner besten Investments während einer Krise getätigt hat, wie beispielsweise der Kauf von Wells Fargo inmitten der Savings-and-loan Krise.

 

Im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway für das Geschäftsjahr 2016 schrieb Buffet außerdem:

 

"During such scary periods, you should never forget two things: First, widespread fear is your friend as an investor, because it serves up bargain purchases. Second, personal fear is your enemy."

 

(Quelle: http://berkshirehathaway.com/letters/2016ltr.pdf)

 

In der Tat führe ich eine Watchlist mit Unternehmen, die ich als interessant erachte und in welche in im Falle eines Crashs unter Umständen investieren würde. Nun mag der ein oder andere dies bereits als crash timing abtun und mir vorhalten, dass eine solche Methodik nicht funktionieren würde. Dem halte ich jedoch dagegen, dass ich ja ohnehin schon monatlich in mein ETF Portfolio investiere - völlig egal wie sich die Börse entwickelt! Das heißt, ich versuche eben nicht, aus dem Markt rauszugehen, bevor der Crash kommt. Zudem bedeutet meine Watchlist auch nicht, dass ich bei einem Crash definitiv eines der darauf enthaltenen Unternehmen kaufen werde. Eröffnet sich mir keine gute Möglichkeit, so werde ich die dafür vorgesehen Cash Reserve zusätzlich in mein bestehendes ETF Portfolio investieren.

 

3. Reinigende Wirkung

 

Ein Börsencrash ist wie ein Sturmtief, das alles wegfegt, was nicht auf einem soliden Fundament steht. Er spült die Märkte quasi aus und hilft, all den Ballast in Form von schlechten, überbewerteten Unternehmen loszuwerden, der sich in einem Boom gebildet hat. Ohne Börsencrashs gäbe es auch keine Booms und die Aktienkurse würden langfristig wohl kaum stetig steigen!

 

Außerdem hat ein Crash auch einen anderen positiven Nebeneffekt. Ich bin genervt von Börsengurus, Crash Propheten, Finanzjournalisten, aber auch Privatanlegern, die allesamt mit halbgaren Theorien und effekthascherischen Statements um sich werfen. In einem tatsächlichen Crash würden viele dieser Personen verschwinden oder zumindest für eine gewisse Zeit verstummen. Ein Börsencrash kann also eine reinigende Funktion haben, nicht nur für die Märkte, sondern auch für das Publikum und die Gemeinschaft.

 

Gerade für Anleger, die noch keinen Börsencrash aktiv miterlebt haben und in den letzten 10 Jahren durch die lang anhaltende Hausse verwöhnt wurden, wäre ein Crash äußerst lehrreich und würde den ein oder anderen auch auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

 

Wann kommt denn der Crash?

 

Ich mach es kurz: genau weiß das keiner! Ein Börsencrash zeichnet sich wie der Name ja schon vermuten lässt durch das explosionsartige Platzen der Börsenkurse aus und wann genau das der Fall ist weiß niemand. Es gibt zahlreiche Indikatoren, die Rückschlüsse auf das allgemeine Bewertungsniveau des Aktienmarktes erlauben, wie beispielsweise das Shiller-KGV, welches momentan gerade lang nicht gesehene Höhen erreicht hat. Allerdings führten in der Vergangenheit letztendlich oft schwer bis unmöglich vorhersehbare wirtschaftliche und politische Entwicklungen zum Crash.

 

Generell halte ich wenig vom Rätseln um den Zeitpunkt des nächsten Crashs. Aus oben genannten Gründen ist es mir als Langzeitinvestor auch komplett egal, wann der nächste Crash kommt. Ich investiere monatlich einen fixen Betrag in mein ETF Portfolio und wenn der Crash dann tatsächlich kommt, werde ich auf unter gewissen Umständen mit einer kleinen Cash-Reserve weitere ETF und/oder Einzelaktien kaufen.

 

Beenden möchte ich diesen Artikel mit einem Zitat von Benjamin Graham:

« The intelligent investor is a realist who sells to optimists and buys from pessimists. » 

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Kommentare: 2
  • #1

    Pete (Montag, 17 September 2018 20:54)

    Lieber Gabriel,
    ein klasse Artikel. Spannend: vor wenigen Tagen habe ich auch nach Definitionen bzw. Spezifikationen zu den Begriffen „Crash“, „Korrektur“ und „Börsenkrise“ im Kontext Börse / Aktienmarkt gesucht. Und ich habe da auch nichts verwertbares gefunden.

    Zwar habe ich schon die Rücksetzer 2000/2001 und 2008/2009 an der Börse mitgemacht und miterlebt. Die Frage bei einem Kurseinbruch ist ja immer: ob und wann die Höchststände wieder erreicht werden.

    All in Nippon Shares in den 80ern wäre bis heute ein herausforderndes Invest gewesen.

    Mein Tip: Medienverzicht, stur nach Plan agieren und hoffnungsvoll bleiben.

    In diesem Sinne, Dein Pete.

  • #2

    monetree (Dienstag, 18 September 2018 08:07)

    Hallo Pete,

    danke für deinen Kommentar und herzliche Gratulation, dass du trotz den Krisen 00/01 und 08/09 trotzdem noch an der Börse aktiv bist! Das bedeutet, dass du mehr über die Börse weißt als die allermeisten Privatanleger in Deutschland! In den Tat freue ich mich auch auf solche Rücksetzer, da man sich als Börsenneuling insbesondere in diesen Zeiten beweisen kann.

    Medienverzicht, dem eigenen Plan folgen und Hoffnung bewahren - das sind sicherlich gute Tipps für unruhige Zeiten an den Börsen. Eine ausgewogene Diversifikation schadet außerdem auch nie!

    Liebe Grüße,

    Gabriel