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Investoren und Trader - was ist der Unterschied?!

In den Medien liest man im Zusammenhang mit der Börse oft von Spekulanten, Investoren, Daytradern, Anlegern usw. Als Anfänger in diesem Bereich kann man mit all diesen Bezeichnungen relativ wenig anfangen - weshalb viele alle Akteure an der Börse schlichtweg als "Börsianer" in den selben Topf werfen. Meiner Meinung nach kann man alle privaten Akteure an der Börse in zwei Hauptgruppen unterteilen: Investoren und Trader. Sie beide haben eines gemeinsam: sie möchten ihr Geld vermehren. Allerdings agieren beide in absolut verschiedenen Disziplinen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

 

Wie ich diese beiden Gruppen definiere und welche Unterschiede es zwischen beiden gibt, könnt ihr in diesem Artikel lesen!

 

Trader

 

Trader sind die Jäger unter den Anlegern. Trader zeichnen sich durch ein sehr hohes Maß an Aktivität an den Finanzmärkten aus. Sie müssen immer up to date sein, das Geschehen am Markt jederzeit überblicken, analysieren und entsprechend handeln. Die Geschwindigkeit der Informationsbeschaffung und deren Verarbeitung kann über den Erfolg oder Misserfolg eines Traders entscheiden. Der Trader setzt also auf den richtigen Zeitpunkt eines Trades.

Trader versuchen, durch kurzfristiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren, Devisen und Finanzprodukten (z.B. Optionen oder Derivaten) Geld zu verdienen und den Markt zu schlagen. Dabei nehmen sie in Kauf, manche Tage mit einer roten Prozentzahl im Depot zu beenden  ihr einziges Ziel ist es, insgesamt öfter zu gewinnen als zu verlieren. In der Sprache der Trader würde man sagen, sie versuchen Trades zu finden, bei denen die upside größer ist als die downside. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie Trades tätigen möchten, bei denen das Gewinnpotential größer ist als das Verlustrisiko. Genau wie Jäger sind die Trader also auf der Suche nach einem guten "Abschuss". 

 

Trader arbeiten oft mit der sogenannten technischen Analyse, auch Chartanalyse genannt. Bei der technischen Analyse versucht man, durch den Verlauf des Kurses eines Basiswerts (z.B. eines Aktienkurses) dessen zukünftige Entwicklung vorherzusagen. Das eigentliche Unternehmen, das hinter dem Kurs steht, interessiert den Trader nur sehr oberflächlich.

 

Das Trading wird von den meisten Leuten als sehr risikoreiche Tätigkeit angesehen, weil viele Trader mit Finanzprodukten arbeiten, bei denen das Verlustrisiko durch eine Nachschusspflicht unbeschränkt groß sein kann. Wahr ist, dass das Trading für einen Anfänger ohne System extrem gefährlich ist, eine grundsätzliche Pauschalisierung wäre allerdings nicht korrekt. 

Investoren

 

Investoren sind die Anbauer unter den Anlegern. Investoren tätigen Investitionen, die per Definition eine längerfristige Betrachtung erfordern. Längerfristig kann man in diesem Zusammenhang mit länger als mindestens einem Jahr definieren. Viele Investoren haben sogar einen Anlagehorizont von über einem Jahrzehnt. Ein Investor wird relativ selten aktiv an der Börse. Die meiste Zeit verbringt er damit, verschiedene Investitionsmöglichkeiten zu analysieren und abzuwägen. Erst wenn er eine gute Investitionsmöglichkeit findet, schlägt er zu und investiert dabei in der Regel einen viel höheren Betrag seines verfügbaren Kapitals als der Trader.

 

Hat der Investor sein Geld einmal angelegt, tut er das gleiche wie Bauer nach der Aussaat: hauptsächlich abwarten. Ein Investor betrachtet seine Investition als ein ertragsgenerierender, wertschöpferischer Vermögensgegenstand, sprich eine Möglichkeit, sein Geld durch den Zinseszinseffekt zu vermehren. Genau wie der Bauer seine Saat von Zeit zu Zeit pflegt, Unkraut entfernt und von Schädlingen schützt, so muss auch der Investor - von Zeit zu Zeit - sein Depot pflegen. Der Investor setzt also auf den Zeitraum seiner Investition.

 

Investoren arbeiten meistens mit der sogenannten fundamentalen Analyse. Das heißt sie analysieren das Investitionsobjekt (z.B. eine Aktie) ganzheitlich und versuchen, den fair value (auch innerer Wert genannt) zu ermitteln. Liegt dieser ihrer Einschätzung nach deutlich über dem Börsenkurs, oder sieht der Investor goldene Zukunftschancen, die der Markt übersieht, dann entscheidet er sich für eine Investition.

 

Investieren wird von der allgemeinen Mehrheit als weniger risikoreich angesehen als das Traden. Zwar ist das Verlustrisiko beim Investieren in aller Regel auf 100% beschränkt, aber auch diese Pauschalaussage lässt sich so nicht treffen. Im Endeffekt gilt: wer nicht weiß was er tut, wird in beiden Disziplinen sehr viel Geld verlieren.

 

Investieren oder Traden - was ist nun besser?

 

Diese Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. Jeder muss im Leben seinen eigenen Weg finden - und das gilt selbstverständlich auch im Umgang mit seinem Geld. Ich persönlich habe mich für die Disziplin der Investoren entschieden, weil ich davon überzeigt bin, dass eine langfristig orientierte, geduldige Anlagestrategie besser zu mir passt. Um als Trader erfolgreich zu sein, muss man einen Großteil seiner Zeit dafür aufwenden, dem Tagesgeschehen an der Börse zu folgen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und Charts zu analysieren. Ich bin der Auffassung, dass eine Investition dieser Zeit in das eigene Humankapital eine deutlich bessere Rendite aufweist.  

 

Deshalb möchte ich diesen Artikel mit einer alten Volksweisheit beenden:

« Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. »

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