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Sind ETFs unreguliert und gefährlich?!

Es gibt viele Gerüchte und Mythen über ETFs - manche haben einen wahren Kern, andere sind schlicht an den Haaren herbei gezogen. In einem Gespräch mit einem ehemaligen Banker kamen wir auf das Thema ETFs zu sprechen. Diese seien zwar ganz nett, jedoch äußerst riskant, da ETFs so gut wie gar nicht reguliert wären.

 

Sind Investments in ETFs also ein Sprung ins Haifischbecken und passive Investoren eigentlich hochriskant unterwegs?

 

Was ist die gesetzliche Grundlage in Europa?

 

Betrachten wir einmal beispielhaft die Namen einiger ETFs:

  • iShares MSCI ACWI UCITS ETF (Acc)
  • SPDR MSCI ACWI UCITS ETF
  • Deka DAX (ausschüttend) UCITS ETF
  • Vanguard S&P 500 UCITS ETF
  • Xtrackers MSCI China Index UCITS ETF 1C

Wir sehen, dass viele ETFs dieses "UCITS" im Namen tragen. Es steht für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities, zu Deutsch: Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren. Im europäischen Rechtsrahmen versteht man darunter Investmentfonds, die in gesetzlich definierte Arten von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten investieren.Es handelt sich dabei um eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie schreibt unter anderem Folgendes vor:

  1. Wertpapierfonds unterliegen der Zulassungspflicht und werden von der Finanzaufsicht überwacht.
  2. Wertpapierfonds müssen den Anlegern ausführliche und vereinfachte Verkaufsprospekte zur Verfügung stellen.
  3. Wertpapierfonds müssen Jahres- und Halbjahresberichte veröffentlichen und für Transparenz sorgen.

Die UCITS gelten für alle Wertpapierfonds, also sowohl für herkömmliche, aktiv gemanagte Investmentfonds, als auch auch ETFs!

 

Die BaFin informiert auf ihrer Website ausführlich über ETFs. Zu der Frage, wie ETFs und ihr Vertrieb beaufsichtigt werden, schreibt die BaFin:

 

"Die Verwalter von ETFs mit Sitz im Inland benötigen für diese Tätigkeit in der Regel die Erlaubnis der BaFin. Sie unterliegen in diesem Fall einer umfassenden Aufsicht durch die BaFin. [...] Die Börsenaufsichtsbehörden wachen unter anderem darüber, dass der Handel an der Börse ordnungsgemäß abgewickelt und die Börsengeschäfte ordnungsgemäß erfüllt werden. Hierzu zählt auch der Preisbildungsprozess."

 

(Quelle: https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/Finanzwissen/WA/ETF/ETF_node.html)

 

Wir können also schon einmal festhalten, dass ETFs die in der EU aufgelegt worden sind, genau so sicher und reguliert sind wie aktive Investmentfonds!

 

Was wenn die Fondsgesellschaft pleite geht?

 

Da es thematisch gut hierher passt, will ich auch diesen Punkt kurz erläutern. Teilweise hört man die Aussage, dass ETFs deshalb gefährlich seien, weil man zusätzlich zum Kursrisiko auch das Risiko eingeht, dass die ETF-Gesellschaft pleite geht. 

 

Das ist natürlich Unsinn. Die Vermögensverwalter, die ETFs auflegen, müssen ihre Wertpapiere immer getrennt von ihrer eigenen Bilanz führen. Man spricht hier von einem sogenannten Sondervermögen. ETFs verkörpern ein Recht auf Anteil eines definierten Bestandes an Wertpapieren. Wenn der Anbieter eines ETFs pleite geht, dann wird bei entsprechendem Volumen ein anderer Vermögensverwalter die Weiterführung des Fonds übernehmen. Selbst wenn dies nicht der Fall wäre, dann könnten die Wertpapiere an sich ja ohne Weiteres veräußert werden und den Investoren das Geld ausgezahlt werden. Im Übrigen verhält es sich auch hier exakt gleich wie mit aktiven Investmentfonds!

 

Was ist mit nicht-europäischen ETFs?

 

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es mit nicht-europäischen ETFs aussieht. Diese unterliegen natürlich nur den jeweiligen Gesetzen. In den USA ist es beispielsweise so, dass die allermeisten (aber eben nicht alle) ETFs bei der Securities and Exchange Commission (SEC) registriert sind und gesetzlich gleich behandelt werden wie aktive Investmentfonds. Jedoch gibt es einige Ausnahmen, beispielsweise unterliegen manche Rohstoff-ETFs der Commodity Futures Trading Commission. In anderen Ländern herrschen wiederum andere gesetzliche Regelungen.

 

Kurzum: Im Ausland ist es komplizierter und es gibt nicht unbedingt eine Gewähr auf eine gute Regulation!

 

Allerdings ist es so, dass die Online-Broker im deutschsprachigen Raum sowieso ausschließlich UCITS konforme ETFs anbieten und europäische Börsen nur ETFs, die über eine Vertriebszulassung nach UCITS verfügen!

 

Fazit

 

Wir haben gesehen, dass UCITS ETFs (sprich: so gut wie alle ETFs, die du in Europa kaufen kannst) einer genau so strengen Regulation und Aufsicht unterliegen wie herkömmliche Investmentfonds! 

 

ETFs als kaum reguliert und gefährlich zu bezeichnen ist also purer Unsinn und gleicht der Aussage, dass Wasser untrinkbar sei, da es an manchen Orten der Welt unreines Wasser gibt. Dass ein ehemaliger Banker und promovierter Betriebswirtschaftler tatsächlich eine derart große Wissenslücke zum Thema ETFs hat, überraschte mich offen gesagt. Ich hoffe, mit diesem Artikel konnte ich mit diesem Vorurteil aufräumen.

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